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82 Prozent der Unternehmen warten länger auf ihr Geld

82 Prozent der Unternehmen in Deutschland waren 2026 von Zahlungsverzögerungen betroffen – der höchste Wert seit 2019, wie die Coface-Zahlungserfahrungsstudie vom 1. Oktober 2026 zeigt.

Von Stefan Riedmüller, Redaktion Firmenzone: Zahlen, Strategie, Standorte, Register

82 Prozent der Unternehmen warten länger auf ihr Geld
Symbolbild: Firmenzone (KI-generiert)

82 Prozent der Unternehmen in Deutschland waren 2026 von Zahlungsverzögerungen betroffen, wie die zehnte Coface-Zahlungserfahrungsstudie zeigt. Das ist der höchste Wert seit 2019 und ein Anstieg von 59 Prozent im Jahr 2021. Gleichzeitig sank die durchschnittliche Verzugsdauer von 31,8 Tagen im Jahr 2025 auf 30,2 Tage im Jahr 2026. Die Studie wurde zwischen Juli und August 2026 durchgeführt und umfasste 503 Unternehmen aus mehr als zwölf Branchen.

Mehr Unternehmen betroffen, kürzere Verzugsdauer

Die Zahl der betroffenen Unternehmen ist seit 2021 kontinuierlich gestiegen. Damals berichteten 59 Prozent von verspäteten Zahlungen, 2026 sind es 82 Prozent. Die durchschnittliche Verzugsdauer entwickelte sich in die Gegenrichtung: Sie fiel von 31,8 Tagen im Vorjahr auf 30,2 Tage. Auch die durchschnittliche Zahlungsfrist, die Unternehmen ihren Kunden gewähren, ging von 32,5 Tagen auf 30,6 Tage zurück. 81 Prozent der befragten Unternehmen gewähren ihren Kunden weiterhin Zahlungsziele.

Maschinenbau, Pharma und Automobil besonders betroffen

Im Maschinenbau berichten 92 Prozent der Unternehmen von verspäteten Zahlungen, in der Pharma- und Chemiebranche sind es 90 Prozent, in der Automobilindustrie 89 Prozent. Besonders problematisch sind langfristig überfällige Forderungen: Der Anteil der Unternehmen, bei denen Außenstände zwischen sechs Monaten und zwei Jahren überfällig sind und zwei Prozent oder mehr des Jahresumsatzes ausmachen, stieg von 12 auf 15 Prozent. Im Maschinenbau verdoppelte sich dieser Anteil nahezu: von 15 Prozent im Jahr 2025 auf 31 Prozent im Jahr 2026.

Zwei Lesarten der Entwicklung

Die Zahlen lassen zwei Schlüsse zu. Erste Lesart: Das Problem verschärft sich. Mehr Unternehmen sind betroffen, und der Anteil langfristig überfälliger Forderungen steigt. Im Maschinenbau hat sich die Zahl der Unternehmen mit Außenständen von zwei Prozent oder mehr des Jahresumsatzes binnen eines Jahres verdoppelt. Das bindet Liquidität und erhöht das Ausfallrisiko.

Zweite Lesart: Unternehmen reagieren und straffen ihr Forderungsmanagement. Die durchschnittliche Verzugsdauer sank um 1,6 Tage, die Zahlungsfristen wurden um 1,9 Tage verkürzt. Kürzere Fristen bedeuten weniger Zeit, in der Forderungen ausfallen können. 21 Prozent der befragten Unternehmen geben an, Zahlungsziele anzubieten, weil das Risiko durch eine Warenkreditversicherung abgesichert ist.

Was das für Unternehmen heißt

Zahlungsverzug ist kein Randphänomen mehr, sondern betrifft vier von fünf Unternehmen. Die Liquiditätsplanung muss diese Streuung berücksichtigen. Wer mit 82 Prozent Wahrscheinlichkeit von Verzögerungen ausgeht, kalkuliert Puffer ein oder verkürzt Zahlungsfristen. Die Entwicklung im Maschinenbau zeigt, dass sich das Problem in einzelnen Branchen schnell verschärfen kann: Binnen eines Jahres verdoppelte sich dort der Anteil der Unternehmen mit langfristig überfälligen Forderungen.

Kürzere Zahlungsfristen sind eine Reaktion, die sich in den Zahlen ablesen lässt. Unternehmen, die ihre Fristen von durchschnittlich 32,5 auf 30,6 Tage senken, reduzieren das Zeitfenster für Verzug. Das wirkt, wenn Kunden zahlungsfähig sind. Bei strukturellen Liquiditätsengpässen hilft es nicht. Warenkreditversicherungen sichern das Ausfallrisiko ab, werden aber nur von einem Fünftel der Unternehmen als Grund für Zahlungsziele genannt.

Für das Forderungsmanagement folgt daraus: Regelmäßige Bonitätsprüfung, konsequentes Mahnwesen und kürzere Zahlungsfristen sind keine Optionen mehr, sondern Standard. Unternehmen, die in Branchen mit hoher Betroffenheit tätig sind, sollten den Anteil überfälliger Forderungen am Umsatz monatlich überwachen. Die Schwelle von zwei Prozent, die in der Studie als langfristig überfällig gilt, ist ein Richtwert für die Risikogrenze.